Bildquelle: Joel Sames

«Es ist Teil meines Feminismus sich mit seinen Finanzen auseinanderzusetzen.»


Investorin des Monats

Die neue Blogreihe von Corinne Brecher

Die «Investorin des Monats» ist eine neue Blogreihe, die dir ungeschminkte Einblicke in die Finanzen von anderen Frauen gewährt. Erfahre, warum sie Geld investieren, welches ihre grössten Erfolge und Erkenntnisse sind und was sie heute anders machen würden.



Investorin des Monats: Kathrin 

Der Auftakt macht Kathrin (41) aus Basel. Derzeit sind 50 % ihres Vermögens investiert und sie schaut einmal pro Monat ins Depot. Sie wohnt in Basel mit ihrem Partner und hat, bewusst und gewollt, keine Kinder. In diesem Beitrag erfährst du, warum

·       sie zwar mit ihrem Bankberater spricht, aber keine Bankprodukte kauft,

·       sie einen emotionalen Bezug zur Naturaldividende hat und

·       sie sich nicht mehr in eine Pensionskasse einkaufen würde.

Corinne: Was hat dich dazu bewogen, dich selbst um deine Finanzen zu kümmern? Was war der Auslöser?

Kathrin: Ich habe mich immer ein bisschen gesträubt mich mit meinen Finanzen auseinanderzusetzen. Vor etwas mehr als zehn Jahren ist meine Grossmutter gestorben und meine Mutter hat mir ein Teil ihrer Erbschaft geschenkt. Da musste ich mich damit auseinandersetzen. 


Mein Motto damals: Hauptsache sicher. So habe ich in Obligationen angelegt in verschiedenen Tranchen, die seit ca. drei Jahren am Auslaufen sind. 


Das Gespräch mit dem Herrn von der Bank hat dazu geführt, dass ich skeptisch wurde, weil alles, was er mir angeboten hat, klang einfach zu gut, um wahr zu sein. So habe ich angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen.


Mit dem Bankberater hatte ich dann insgesamt drei oder vier Gespräche, im Abstand von mehreren Wochen. Bei jedem Treffen hatte ich mehr Wissen, das ich mit ihm teilen konnte. Es entstand ein spannender Dialog, sodass ich seither von der Bank zu Anleger*innen-Anlässen eingeladen werde, wobei ich mich am Schluss für keines der Produkte der Bank entschieden habe.

«Ich konnte mit meinem Wissen in der Beratung überzeugen und mein Berater merkte, dass ich auch sehr gut ohne ihn klarkam.»

Du warst intensiv in Kontakt mit deinem Kundenberater bei der Hausbank. Warum hast du schlussendlich doch kein Produkt dort gekauft?

Die Produkte, die er mir im Beratungsgespräch anbot, klangen zu gut, um wahr zu sein. Als konservative Anlegerin war ich von Anfang an skeptisch eingestellt. Er meinte nur, es sei alles so einfach, was mich noch misstrauischer machte. Ich bemerkte sodann, dass es kein Produkt gibt, das wirklich zu mir passt.


Ausserdem waren die Gebühren zu hoch. Nachdem ich in der dritten Sitzung mit dem Berater noch immer kein Produkt gekauft hatte und er zunehmend merkte, dass ich mir nebenbei ein gutes Wissen aufgebaut hatte, schlug er mir VIAC vor. Ich konnte mit meinem Wissen in der Beratung überzeugen und mein Berater merkte, dass ich auch sehr gut ohne ihn klarkam. 


Trotzdem lädt er mich noch heute zu Geldanlage-Anlässen der Bank ein. Dort würde ich hingehen, wenn nicht aufgrund der Pandemie alle Anlässe vorschoben oder abgesagt worden wären.


Was hat sich verändert, seitdem du dich um deine Finanzen kümmerst?

Verändert hat sich mein Selbstverständnis und auch meine Lust mich mit meinen Finanzen auseinanderzusetzen. Ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass alles gar nicht so kompliziert ist, wie ich immer dachte, und dass die Auseinandersetzung auch Spass machen kann. 


«Durch Podcasts und Gespräche mit meinem Freund habe ich gelernt die Mechanismen der Börse zu verstehen.»

Durch Podcasts und Gespräche mit meinem Freund habe ich gelernt die Mechanismen der Börse zu verstehen. Mich beschäftigt vor allem das Thema der sozialen Sicherheit und jetzt weiss ich, wo ich anknüpfen kann.


In welchen Verhältnissen bist du aufgewachsen?

Das ist schwierig zu sagen. Ich würde sie als mittelständisch-städtisch bezeichnen. Meine Mutter war alleinerziehend und hat erst wieder als Lehrerin gearbeitet, als ich 10 Jahre alt war. Dazwischen hatte sie verschiedene andere Jobs. Sie bekam keine Alimente von meinem Vater – das war eine bewusste Entscheidung. Ausserdem hatten wir kein Auto und haben immer in Mietwohnungen gelebt.


Welche Rolle spielte Geld in deiner Kindheit?

Mir hat es nie an etwas gefehlt, aber das hatte auch damit zu tun, dass ich als Teenager nie das Bedürfnis hatte viel Geld für Kleider oder Luxusgüter auszugeben. Meine Mutter sagte immer, ich sei ein «kostengünstiges» Kind. 


Ich habe auch nie verstanden, warum andere Jugendliche viel Geld für materielle Dinge ausgeben konnten. Meine Kleider kaufte ich immer schon auf dem Flohmarkt oder in der Brocki.


Welche negativen/positiven Glaubenssätze im Zusammenhang mit Geld hattest du früher?

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, war Geld bei uns zu Hause nie ein Thema. Ich glaube, wir haben eher sparsam gelebt, aber das ist mir nie besonders aufgefallen.


Im Vergleich zu früher: Wie ist deine Einstellung zu Geld heute?

Heute beschäftige ich mich intensiv mit meinen Finanzen und habe Spass daran gefunden, das Thema Geld aktiv zu thematisieren.


Gibt es etwas, dass du bereust?

Eigentlich nicht, weil alles, was ich gemacht habe, war zu diesem Zeitpunkt richtig. Wobei ich mich heute nicht mehr mit 30 in eine Pensionskasse einkaufen würde ...

«...ich dachte, die Pensionskasse würde mir eines Tages viel Rente bringen.»

Warum?

Damals hatte ich eine attraktive Pensionskassenlösung, weil ich beim Kanton gearbeitet habe und ich dachte, die Pensionskasse würde mir eines Tages viel Rente bringen. Tatsache ist, dass die Renten jedes Jahr sinken, unser Geld verloren geht aufgrund der sinkenden Umwandlungssätze und weil die Pensionskassen ihr Geld nicht mehr profitabel anlegen können. 


Da ich bei diversen Arbeitgebern angestellt bin und nirgends den Mindestbetrag für die Aufnahme in eine Pensionskasse erreiche, lege ich den Fokus auf die Säule 3a und 3b.


Was war für dich die grösste Herausforderung, als du angefangen hast zu investieren?

Da ich anfangs 2020 angefangen habe zu investieren, war das «Aushalten» im März 2020 eine grosse Herausforderung. Die für mich nach wie vor grösste Herausforderung ist und bleibt die Suche nach dem «richtigen» Zeitpunkt, wobei es den ja nicht gibt.

«...das "Aushalten" im März 2020 war eine grosse Herausforderung.»

Zum Zeitpunkt, als dein Geld investiert war: Gab es Momente, in denen du Angst hattest, dein ganzes Geld zu verlieren? Was hast du gebraucht, um Sicherheit zu gewinnen?

Diese Angst hatte ich nie. Da ich nur Geld investiere, das ich nicht unmittelbar zum Leben brauche. Wenn Spuren dieser Angst aufsteigen, schaue ich auf meine anderen Anlagen, die im Plus stehen. Dann sieht die Welt schon wieder anders aus.

 

Mit wie viel Geld hast du gestartet?

Mit CHF 200, was rückblickend gebührentechnisch nicht klug war. Im Verhältnis zur Tradegrösse war somit die Gebühr zu hoch.


Weisst du noch, welche Aktie du als Erstes gekauft hast?

Das war Pinterest für 29 US-Dollar. Bei 40 US-Dollar habe ich sie verkauft. Im Nachhinein hätte ich sie länger halten müssen. Der Kurs lag zeitweise bei 80 US-Dollar.


Magst du einen Erfolg mit uns teilen?

Meine Naturaldividende war ein toller Erfolg, da ich dabei den Ertrag meines Investments in der Hand haben konnte.


Bei Naturaldividende kommen mir spontan Calida und Swatch in den Sinn …

Calida habe ich genau wegen der Naturaldividende gewählt, weil ich viel über die Firma weiss und einen emotionalen Bezug habe. Als ich zwölf Jahre alt war, schenkte mir meine Oma ein Unterhemd von Calida, welches ich noch heute besitze.

«...ich würde mich nie einschränken, um zu sparen.»

Was hältst du vom Sparen generell?

Ich würde mich nie einschränken, um zu sparen. Meine Altersvorsorge soll gut sein, aber ich möchte deswegen im Hier und Jetzt keine Abstriche machen.

 

Mit welcher konkreten Handlung/Aufgabe sollen Frauen beginnen, wenn sie ihre Finanzen selber angehen wollen?

Sie sollen darüber sprechen.


Sprichst du mit deinem Partner über Geldanlagen?

Früher habe ich mich mit dem Partner viel ausgetauscht, heute weniger, weil er in Kryptos investiert. Ich fand es bisher immer spannend, finanzkompetenter zu werden und zu wissen, was mein Geld macht. Doch mit Kryptowährungen habe ich mich noch zu wenig beschäftigt.

 

Welchen Tipp möchtest du Frauen noch mit auf den Weg geben?

Es ist feministisch sich mit seinen Finanzen auseinanderzusetzen.


Das ist ein starkes Statement. Teilst du kurz noch deine Definition von Feminismus mit uns?

Alles was mit Ermächtigung zu tun hat, ist für mich feministisch. Wenn ich mich selbst darum kümmere und nicht die Verantwortung jemand anderem überlasse. So schere ich mich nicht darum, was die Gesellschaft erwartet: Keine Kinder zu haben ist für mich auch eine feministische Entscheidung.


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