Das “Irgendwann-Phänomen”

Wir alle täuschen uns hin und wieder. Aber hast Du Dich schon mal getäuscht in Bezug auf Deine Zukunftspläne? Hast Du Dir jemals etwas leichter vorgestellt, als es dann tatsächlich war? Wenn Du nun zurückblickst auf die letzten Jahre, inwiefern hat sich Dein Leben verändert? Hast Du viele Erfolge gefeiert oder musstest Du auch Rückschläge einstecken? Ich bin sicher, beides ist der Fall.

Wunschvorstellungen und Selbsttäuschungen sind Teil unseres Alltags, ob wir es wollen oder nicht. Meistens werden sie uns bewusst, wenn sich Zukunftsvorstellungen nach einiger Zeit als völlig unerreichbar herausstellen.

In Bezug auf Illusionen möchte ich hier etwas mit Dir teilen, was mir im Rückblick auf meine letzten 10 Jahre besonders aufgefallen ist: die Illusion, dass sich irgendwann alles von selbst regelt.

Irgendwann regelt sich alles von selbst. Wirklich?

In seinen 20ern hat man zweifellos noch alle Möglichkeiten offen. Doch auch diese Entscheidungsphase dauert nicht ewig. Das Leben nimmt Fahrt auf und ehe man sich versieht steht der 30. Geburtstag vor der Tür.

Erstaunlicherweise konnte ich das nachfolgende Denkmuster bei vielen Freunden und Bekannten finden, was mich umso mehr bestärkt hat in meiner Meinung, dass da etwas Wahres dran sein muss.

Ich nenne es das “Irgendwann-Phänomen”. Meine Recherche hat gezeigt, dass es inbesondere im finanziellen Bereich besonders oft vorkommt. Im Nachhinein erkenne ich, dass ich mit 20 Jahren ebenfalls mit dem “Irgendwann-Phänomen” zu tun hatte. Ich dachte, dass sich irgendwann alles von selbst regeln wird…

Irgendwann…

…werde ich schon den perfekten Job finden

…zahlt sich meine Ausbildung aus

…finde ich die grosse Liebe meines Lebens

…werde ich Ersparnisse zur Verfügung haben

…werde ich von meinen Eltern unabhängig sein

…werde ich Selbstbewusstsein aufgebaut haben

…beginnt das Leben

…werde ich meine Traumfigur haben

…habe ich eine eigene Familie

…werde ich Erwachsen sein

Und so weiter….

Hast Du Dich in irgendeinem Satz wiedergefunden? Na dann herzlich Willkommen im Club der Illusionäre!

Ich sage natürlich nicht, dass dies alles Trugschlüsse sind. Vielmehr sind es Hoffnungen und Hoffnungen sind wunderbar, denn ohne sie würden wir womöglich morgens gar nicht mehr aus dem Bett kommen. Aber es geht jetzt darum aufzuwachen denn so leid es mir tut: von nichts kommt nichts!

Solange Du nichts unternimmst, regelt sich rein gar nix

Es mag Dinge geben die sich von alleine regeln, aber leider ist das nur in ganz wenigen Angelegenheiten der Fall. Den perfekten Job findest Du nur, wenn Du auch danach suchst und Dich aktiv bemühst ihn zu finden. An dieser Stelle eine kleine Notiz an Elite Uni-Absolventen: die Unternehmen werden sich nicht (mehr) um Euch reissen – wake up!

Deine Ausbildung zahlt sich nicht aus, wenn Du immer im gleichen Job rumdümpelst und den Mumm nicht hast, Ende Jahr Deine Lohnerhöhung einzufordern.

Die grosse Liebe Deines Lebens findest Du nicht vom Sofa aus. Vielleicht via Internet, aber diese «perfect-match-Formeln» sind gemäss wissenschaftlicher Studien sehr zweifelhaft.

Du wirst auch keine Ersparnisse anhäufen, wenn Du nicht schon jetzt jeden Monat etwas auf die Seite legst.

Selbstbewusstsein wird einem nicht mittels Chip irgendwann eingepflanzt, du sammelst zwar Erfahrungen, aber deswegen wirst Du noch lange nicht selbstbewusst.

Was da alles kommt, wenn ich jetzt noch über Traumfigur, eigene Familie gründen und Erwachsensein spreche, kannst Du Dir sicherlich selbst ausmalen.

Karriereplanung? Später vielleicht

Fakt ist, wir machen uns viele Gedanken in unseren 20ern, aber sind es auch Gedanken, die uns weiterbringen im Leben? Ich finde es lohnt sich durchaus, schon mit 18 Jahren eine ungefähre Karriereplanung in Angriff zu nehmen. Ich habe mich kürzlich mit einer Laufbahnberaterin unterhalten, und sie meinte, dass es eigentlich schade ist keine jungen Leute in der Karriereberatung anzutreffen. Oft finden sich dort Frauen und Männer die schon in ihren 30ern sind, bereits einen Karriereweg eingeschlagen haben und nun einen Branchenwechsel oder eine Weiterentwicklung anstreben.

Das Dilemma mit Ratschlägen

Grundsätzlich bin ich kein Fan von «was-wäre-wenn-Fragen» aber im Zusammenhang mit dem “Irgendwann-Phänomen” macht es durchaus Sinn, sich einmal zurückzubesinnen und zu reflektieren.

Wenn wir uns diese Fragen stellen kommen automatisch auch gut gemeinte Ratschläge von unseren lieben Mitmenschen. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, aber wir bekommen alle tagtäglich Ratschläge im Überfluss und ich muss sagen: Ratschläge sind wunderbar, aber irgendwann ist einfach genug.

Ratschläge nerven auf lange Sicht und ganz ehrlich, niemand kann Dir sagen was für Dich das Beste ist.

Nur weil eine bestimmte Vorgehensweise einer Person viel Erfolg eingebracht hat, muss das nicht heissen, dass dies für Dich genauso gilt. Was für Dich gut ist, weisst nur Du selber!

Vielleicht ist Dir auch schon aufgefallen, dass es vor allem in Bezug auf Geld viele Trugschlüsse gibt. Manchmal ist es unser Umfeld, dass uns zwingt zu glauben mit 30 werde das Leben einfacher und besser, weil wir bis dahin finanziell unabhängig sein werden. Wir werden also motiviert folgendes zu glauben:

Irgendwann…mit 30…werde ich einen Job und mein Studium abgeschlossen haben…und mehr oder weniger finanziell unabhängig sein.

Tja, und dann das….

Du bist 30 Jahre alt und du merkst: Kacke, alles Bullsh***.  

Und genau an diesem Punkt kommt das Herzstück des “Irgendwann-Phänomens” ins Spiel: die Vermögensillusion.

Das Herzstück des “Irgendwann-Phänomens”: Die Vermögensillusion

Ja, da sitzt Du nun an Deinem 30. Geburtstag. Ende Geld ist noch immer viel Monat übrig und zusätzlich hast Du Dir ganz viel Verantwortung aufgeladen – eine eigene Wohnung bezogen, ein Auto geleast, ein Kind bekommen – weil man ja irgendwann erwachsen werden muss und diese Dinge eben dazugehören.

Das Thema Vermögensillusion habe ich ganz bestimmt gewählt, weil wir eben in jungen Jahren denken, dass Geld irgendwann automatisch «in unser Leben finden» wird. Das “Irgendwann-Phänomen” steht also Deinen Gedanken und der damit verbundenen Vermögensillusion direkt gegenüber. Und glaube mir, diese Kombination ist nur eines: hoch explosiv und sehr gefährlich.

Deine Gedanken fangen an Dich auszutricksen und Du denkst Dir: Logisch muss ich irgendwann mein Geld selbst verdienen und zur Arbeit gehen aber bis dahin sind es ja noch ein paar Jahre. Irgendwann werde ich schon einen tollen Job kriegen…irgendwann…

Die Vermögensillusion abwenden: 3 Fragen die Du Dir in Deinen 20ern stellen solltest

Die gute Nachricht ist: Die Geschichte mit Deinem 30. Geburtstag muss nicht wahr werden. Wenn Du Dich mit der Vermögensillusion frühzeitig befasst, hast Du mit Sicherheit vieles getan, um Trugschlüsse abzuwenden. Deshalb lade ich Dich herzlich ein auf ein paar “Ratschläge” und sage Dir gleichzeitig auch, dass Du diese kritisch und mit Abstand betrachten sollst.

Nachfolgend sind 3 Fragen, die Du Dir in Deinen 20ern stellen kannst um nicht der Vermögensillusion, und dem damit verbundenen “Irgendwann-Phänomen”, zu verfallen:

  1. Habe ich einen Plan?

Stelle Dir einen kleinen Plan auf und vermerke mit ein paar Stichworten, wo Du mit 30 Jahren vermögenstechnisch stehen möchtest. Schreibe dazu eine ganz konkrete Zahl auf. Nur konkrete Ziele sind gesetzte Ziele, denn sonst kannst Du sie nicht überprüfen. Wenn Du schreibst: Ich will viel Geld haben, dann lässt sich das Wort “viel” nicht messen und überprüfen. Schreibe stattdessen: Ich will 1’000 oder 50’000 EUR/CHF auf meinem Sparkonto haben.

Sparen bedeutet eiserne Disziplin. Wie willst Du denn auf Ersparnisse zurückgreifen, wenn Du nie anfängst auch etwas dafür zu tun? Die Beträge können ganz klein sein. Hauptsache Du kommst ins TUN!

Mache diese Übung mit Deinen Eltern oder auch mit Freunden. In der Gruppe macht es viel mehr Spass und ich verspreche Dir, dass Du erstaunt sein wirst darüber, wie sich Deine Freunde die Zukunft vorstellen.

  1. Was sind meine Werte?

Was treibt Dich wirklich an im Leben? Wofür stehst Du ein und was ist Dir wichtig? Welche Werte kannst Du Deine eigenen nennen? Abwechslung, Diskretion, Ehrlichkeit, Familie, Glück, Humor und Wachstum sind einige wenige Beispiele um Dir zu zeigen, was mit “Werten” gemeint ist. An dieser Stelle habe ich Dir eine tolle Webseite verlinkt, wo Du eine Übung machen kannst um Deine Werte zu finden: Klicke hier um zur Übung zu gelangen.

Warum ist die Werte-Übung wichtig?

In Bezug auf Ratschläge mag es Personen in Deinem Leben geben, die ganz genau wissen was gut für Dich ist. Vielleicht sind Deine Eltern Ärzte und wollen, dass Du in ihre Fusstapfen trittst? Aber willst Du auch wirklich 80-100h pro Woche arbeiten? Auch in Bezug auf die Familienplanung kann es hilfreich sein, seine Werte zu kennen. Vielleicht möchtest Du keine Kinder aber alle erwarten es von Dir? Du bekommst dann vielleicht das Gefühl nicht zu genügen, aber eben nur, weil Du Deine Werte nicht kennst und somit sie auch nicht angemessen verteidigen kannst. Mit verteidigen meine ich ganz klar auch, dass Leute sich nicht mit Deinen Werten identifizieren können und Dich deshalb aus einer Gruppe ausschliessen. Aber das macht nichts, denn es zeugt von Menschlichkeit und Stärke seine Werte zu kennen, dafür einzustehen und sie zu verteidigen.

  1. Wie soll mein Leben mit 30 sein?

Stell Dir ganz konkret vor, wie Dein Leben mit 30 sein soll. Hier ist es wichtig, dass Du nur Punkte auflistest, die Du auch wirklich beeinflussen kannst. Dazu gehört beispielsweise einen Job haben, Vermögen aufbauen, sich freiwillig engagieren oder Sport treiben. Schreibe sie alle auf ein Blatt (bitte nicht am PC oder Telefon) und verstaue die Notiz an einem sicheren Ort.

Warum es so wichtig ist hier Dinge aufzulisten, die Du auch beeinflussen kannst hat einen einfachen Grund. Es gibt Umstände die sich leider nicht erzwingen lassen: Die Liebe seines Lebens finden, Gesund sein und Kinder kriegen. Vieles ist mehr oder weniger von Mutter Natur oder vom Zufall abhängig zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Also komm ins TUN und befasse Dich ganz konkret mit den beeinflussbaren Dingen. Und ein kleiner Tipp am Rande: Erachte nichts als selbstverständlich. Auch das war eine Illusion die ich im Teenageralter hatte.

“Irgendwann-Phänomen” & Vermögensillusion zusammengefasst:

Zukunftspläne schmieden wir alle. Pläne bereichern unser Leben und sie geben uns eine Linie vor, nach der wir uns richten können, sowohl in guten wie auch in schlechten Zeiten. Zu den Plänen gehören auch Wünsche und – oft beeinflusst durch unser Umfeld – eben auch Illusionen.

Die Vermögensillusion, wie ich sie gerne nenne, ist ein Trugschluss der sich in Deinen 20ern entwickelt und er gibt Dir vor, dass sich finanzielle Aspekte irgendwann von selbst regeln werden. Nur schade, wenn Du dann feststellen musst, dass sich ein Bankkonto nicht von selbst auffüllt und der 30. Geburtstag eben kein Garant ist ein «Erwachsenes-Ich» entwickelt zu haben. Irgendwann…werde ich den perfekten Job haben, einen Partner finden oder ein Vermögen aufgebaut haben. Irgendwann bin ich erwachsen und kann es mir leisten…irgendwann.

Die Kombination von Vermögensillusion und “Irgendwann-Phänomen” haben hochexplosiven Charakter, denn diese beiden werden Dich langfristig vom Erfolg abhalten.

Und dass eben dieser Zeitpunkt des Erfolges nie kommen wird insofern Du nicht ins TUN kommst, muss ich wohl nicht genauer erläutern. Um nun das bestmögliche aus Deinen 20ern herauszuholen habe ich für Dich 3 Kernfragen aufgelistet, die Du Dir stellen kannst um nicht der Vermögensillusion zu verfallen:

  1. Habe ich einen Plan?
  2. Was sind meine Werte?
  3. Wie soll mein Leben mit 30 sein?

Beantworte diese Fragen im Detail für Dich nach der im Hauptteil beschriebenen Anleitung und ich verspreche Dir, dass Du damit alles möglich getan hast, um nicht der Vermögensillusion zu verfallen.

Schlusswort inkl. «wichtigem» Ratschlag 😉

Zum Abschluss noch ein kleiner Rat – und an dieser Stelle SORRY, schon wieder ein Ratschlag – aber den musste ich noch loswerden: Karriereplanung hin oder her, definiere Dich nicht zu sehr über Deine Diplome und Deinen Lebenslauf.

Das Leben ist keine Checkliste und schon gar nicht ein Sammelalbum von Abschlüssen.

Es gibt nämlich auch Firmen die darauf pfeifen wie gut Du an der Uni warst, sondern sich nur für Dich als Mensch interessieren, was Dich motiviert und was Du tatsächlich am Arbeitsplatz leisten kannst – ja die gibt es wirklich!

Wie es auch kommen mag, ich wünsche Dir von Herzen viel Erfolg bei Deiner Planung und vielleicht denkst Du wieder an mich, wenn Du an Deinem 30. Geburtstag die Korken knallen lässt. 😉

In diesem Sinne: Sei unabhängig, stark und einfach umwerfend.

 

Corinne Brecher

Dein Ziel ist meine Mission: Finanziell stark als Frau durch die Welt zu gehen hat mir unglaublich viele Türen geöffnet. "Wenn Du immer nur tust was Du schon kannst, bleibst Du immer das was Du schon bist."
In diesem Sinne: Lass' uns loslegen!
Corinne Brecher

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